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  • silvafish 21:53 am 12/09/2011 Permalink | Antworten
    Tags: #Freiheit #Politik #Polizei   

    Angst statt Freiheit 

    Am Samstag brachte ich ein paar leere Flaschen zum dafür bereitgestellten Altglascontainer.

    Man muss dazu wissen, ich lebe in Berns Altstadt, im Weltkulturerbe.
    Der Flaschencontainer gehört natürlich nicht zum Weltkulturerbe, daher muss ich dafür auch ein paar Schritte laufen, eine Treppe hinuntergehen und mehrere Gassen überqueren.

    An dem Treppenabsatz kurz vor einem der ältesten Brunnen Berns staunte ich nicht schlecht über die Ansammlung von Polizisten in Kampfmontur. Mit bestem Blick auf den Flaschencontainer.

    „Naja“, dachte ich mir, „die checken bestimmt, ob ich meine Flaschen auch zum richtigen Zeitpunkt wegwerfe, und nicht etwa ausserhalb der gestatteten Uhrzeiten“. Aber eigentlich gibt es dazu das hiesige Äquivalent des Ordnungsamtes, in Zivil. Der kann dich denn auch schon mal bei Flaschenabwurf zur falschen Zeit büssen (lassen). Kostet dann halt ein paar Fränkli.

    Tatsächlich haben die sich auch nicht die Bohne für meinen Glasmüll interessiert. Unten am Container angekommen, bemerkte ich eine weitere Gruppe Polizisten vor der Kirche, auch in Kampfanzügen.

    „Komisch, was schützen die denn hier eigentlich?“ Um es kurz zu machen, ich habe nicht gefragt.
    Zu unheimlich dünkte mir die Ansammlung und Präsentation brachialer Staatsgewalt. Ich fühle mich nie so recht sicher, wenn ich Polizei in Riot-Gear sehe.
    Könnt‘ ja was passieren.

    Heute habe ich dann in der Zeitung gelesen, warum eigentlich die gesamte Innenstadt der Hauptstadt der freiheitsliebenden Schweiz, also das gesamte Weltkulturerbe von Bern, von Staatsdienern in Vollrüstung geprägt war.
    Warum an jeder Bücke, in den Haupt- und Nebengassen, im Bahnhof und eben auch am Parkhaus, der Kirche und der Altglasentsorgungsstelle deutlich wehrhafte Präsenz gezeigt wird.

    Es gab ein Familienfest.

    Auf dem Bundesplatz.

    Mit mehreren Tausend Personen.

    Ca. 500 Meter Luftlinie von meinem Zuhause (und ca. 750 Meter von besagtem Flaschencontainer).

    Eigentlich war das ganze auch ein Wahlanlass, und kein Familienfest.

    Von der SVP.

    Das sind die mit den lustigen Plakaten zum Thema Minarett oder Masseneinwanderung.

    Also die, die die Ängste in den unbescholtenen Schweizern schüren und damit sehr erfolgreich auf

    Stimmenfang gehen.

    Und die, die die traditionellen Werte der Familie in der Schweiz bewahren wollen.

    KKK – Kinder, Küche, Kirche

    Die, die dafür kritisiert werden, sämtliche Bosnier als Schwerverbrecher darzustellen (Die Kritik daran kommt übrigens von der Kirche).

    Und die, die Plakate im gesamten Stadtbild aufhängen, die in ihrer Bildsprache allzusehr an Splitterparteien in Nachbarländern erinnern.

    Also die jedenfalls, die fatalerweise auch noch ca. 30% Rückhalt in der Bevölkerung haben weil – siehe oben – Ängste vor Unbekanntem leicht hervorzurufen sind.

    Und die schaffen es, den Polizeipräsidenten zu Bern genug in Schweiß zu bringen, als dass er etwa 1000 Beamte aufbietet, dazu Einsatzwagen, Hubschrauber, die zum Familienfest über dem Bundesplatz stehen, Wasserwerfer, Scharfschützen auf den Dächern – Moment, das war übertrieben.
    Ich kann nur von Feldstechern reden, nicht von Gewehren.

    Die Teilnehmer des Familienfestes marschieren denn auch durch die Schauplatzgasse gen Bundesplatz, der völig abgesperrt ist. Um in das tümelige Treiben hineinzukommen, muss man sich eventuell vorher ausgewiesen haben, Taschen und Rucksäcke werden auch schon mal inspiziert.
    Von der Polizei.
    Aber das war nur die erste Hürde.

    Die SVP hat nämlich keine Kosten und Mühen gescheut und zusätzlich zu den etwa 1000 Beamten den privaten Sicherheitsdienst „Broncos“ – der Name ist Programm – mit der Kontrolle der Besucher beauftragt.
    Damit nur linientreue Familienmitglieder als Jubelperser den Herren Blocher, Brunner, Maurer lauschen können.
    Eine Unruhestifter ist wohl durchgerutscht, er präsentiert bei der Rede von Herrn Brunner ein Plakat mit der Aufschrift „Halt’s Maul, Schweiz!“ – wird dann auch sorgsam von den Broncos entfernt und der Polizei übergeben.

    Warum eigentlich? Weil er seine Meinung auf dem Bundesplatz kundgetan hat und das der Mehrzahl der Anwesenden nicht schmeckte?

    Ist das wirklich die Freiheit, die die Eidgenossen damals meinten?

    Oder ist es die Angst, die regiert?
    Die Angst vor dem Fremden, vor Wandel, vor Fortschritt?

    Im Verlaufe des Tages wurden im gesamten Innenstadtbereich 55 Personen festgenommen und auf die Wache gebracht. Bei einigen wurden Messer gefunden, bei anderen Spraydosen, auch Reizstoffe.

    Gleichzeitig wird in der Hauptstadt des großen nördlichen Kantons, in Berlin, eine Demonstration zum Thema „Freiheit statt Angst“ durchgeführt.

    Hier in Bern war es leider „Angst statt Freiheit“.

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  • silvafish 12:04 am 31/05/2011 Permalink | Antworten
    Tags: #finanzen,   

    Doppelte Umverteilung von Unten nach Oben 

    Es ist doch echt zum Kotzen.
    Zuerst wird das Geld vom Kleinanleger („Volksaktie, Herr Krug“) zum T-Konzern umverteilt und die Klagen in Deutschland laufen ins Leere.
    Pech gehabt, verzockt.

    In den USA haben die Anlegervertreter noch mehr Biss, oder die Richter sind nicht so konzernfreundlich, jedenfalls nicht gegenüber Konzernen aus Übersee.
    Dort muss die Telekom jetzt 112 Mio. € bezahlen.
    Und die will sie sich wo zurückholen? Bei der Anstalt des öffentlichen Rechts KfW.
    Ja, das sind die, die in der letzten Bankenkrise die IKB übernommen hat, deren Größtanteilseigner sie war.
    Und die den Lehmann Brothers noch 350 Mio. € Sekunden vor der Insolvenz überwiesen hat.
    Und der der deutsche Finanzminister als oberster Chef vorsteht.
    Und der sagt auch, wer zahlt.
    Weisst Du es schon?

    Bingo, der Steuerzahler, also Du.

    In Island hat sie sich auch engagiert. Lief nicht so gut.
    Wer zahlt?
    Du.
    Und jetzt haben Gerichte beschlossen, dass die KfW doch mal den Verlust von 112 Mio. €, den die Telekom an die US-Anleger zahlen soll, tragen muss.

    Also auch wieder Du.
    Und solltest Du seit dem Börsengang seinerzeit T-Aktien besitzen, weisst Du ja auch, wer das bezahlt hat.

    Ui. Doppelte Umverteilung von unten nach oben: heise online – Telekom setzt sich mit Millionenklage durch: http://bit.ly/iltHSn

     
  • silvafish 16:54 am 17/01/2011 Permalink | Antworten  

    Lebensmittelskandale und was wir daraus lernen können 

    Dioxin in Eiern, Suppenhühnern (was werden die Legehennen später wohl sonst? Vielleicht Tierfutter, ätzend genug) und Schweinefleisch.

    Skandalös ist die Profitgier des Futtermittelherstellers, der belastetes Fett – ziemlich sicher wider besseren Wissens – in Futtermitteln verwertet, weil das Zeug nur die Hälfte kostet.

    Der Ansatz, dass Industriefette und Futterfette jetzt nicht mehr in den selben Fabriken hergestellt werden sollen, geht IMHO fehl. Die Verantwortung ist nicht bei den Fettherstellern zu suchen, sondern bei den Futtermittelherstellern, die aufgrund Preisdrucks billigend in Kauf nehmen, Gift in die Nahrungskette einzuschleusen.
    Der Name der Futterpanscher ist bekannt, nur hilft das dem Verbraucher nicht, das ist zu weit von ihm weg.
    Nicht mal die Nennung der Höfe würde helfen – selbst wenn jetzt sensibilisierte Verbraucher im Supermarkt ihrer Wahl auf die Herstellungsorte ihrer Eier und Schnitzel achten, wird das wohl nicht solange anhalten, bis auch die letzten Chargen irgendwo in den Handel gelangen.
    Und sollte das irgendwo anders auf der Welt sein, werden die dortigen Verbraucher wohl ihre liebe Mühe haben, die schwarzen Schafe auszusortieren – sollten sie überhaupt etwas davon gehört haben, dass Produkte aus Deutschland evtl. belastet sind.
    Nein, direkte Produktnennung und Supermärkte, die dieses Zeug im Angebot haben müssten genannt werden, nur so hat der Verbraucher eine Chance, einen Bogen um die vergifteten Lebensmittel zu machen.

    Sicher, das trifft zunächst mal die Falschen, die Märkte haben ja erstmal keine direkte Schuld.
    Die liegt immer noch bei dem skrupellosen Futtermittelhersteller.
    Der sollte denn auch für die Verdienstausfälle der Landwirte, die ja die massenhafte Tötung ihrer verseuchten Tiere zu verschmerzen haben, als auch für die Einkommenseinbussen der Händler aufkommen.
    Klar, der Futtermittelhersteller ist dann pleite, Arbeitsplätze gehen verloren.
    Wenn sich aber ein Management so benimmt, ist das unabwendbar.
    Nebenbei sollten die Verantwortlichen der Firma Harles & Jentzsch für lange Zeit in den Knast – „Brunnenvergifter“ hätte man sie wohl früher genannt.

    Der Streit nun, ob Herr McAllister Informationen an Frau Aigner nicht rechtzeitig übermittelt hat, und die Intervention von Frau Merkel zu der Forderung, ist Theaterdonner.

    Was hier vonnöten ist, sind nicht Rücktritte, sondern bessere Kontrollen und mehr Transparenz, welche Produkte von wo in welchen Laden kommen.
    Bei den vorigen Skandalen (zB. das unsägliche „Gammelfleisch“) war auch nicht klar, wo man jetzt seinen Döner besser nicht ist – der Preis ist zwar vielleicht ein Hinweis, aber eine Liste der mit den schlechten Lebensmitteln belieferten Läden wäre wohl deutlich zielführender gewesen.

    So auch jetzt. Ich will die Information haben, wo ich nicht einkaufen sollte, ich will wissen, wer die Zwischenhändler sind, die seit Monaten bewusst oder unbewusst Dioxin im die Nahrungskette gebracht haben.

    Wie sonst soll ich als Verbraucher durch mein Kaufverhalten die Stimme erheben?
    Der Markt reguliert sich ja angeblich selbst – aber nur, wenn der Verbraucherauch tatsächlich in die Lage versetzt wird, sich aufgrund von Fakten und Informationen zu entscheiden.
    Aber gerade mit diesen wird hinter dem Berg gehalten.
    Wem nützt das?
    Sicherlich nicht dem Verbraucher, dem Volk, was ja eigentlich im besten Sinne von den Volksvertretern, uhm, vertteten werden sollte.

    Das ist der eigentliche Skandal, und das zeigt, wie sehr wir unabhängige Berichterstattung brauchen.

    http://www.tagesschau.de/kommentar/dioxin236.html

     
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