Lebensmittelskandale und was wir daraus lernen können

Dioxin in Eiern, Suppenhühnern (was werden die Legehennen später wohl sonst? Vielleicht Tierfutter, ätzend genug) und Schweinefleisch.

Skandalös ist die Profitgier des Futtermittelherstellers, der belastetes Fett – ziemlich sicher wider besseren Wissens – in Futtermitteln verwertet, weil das Zeug nur die Hälfte kostet.

Der Ansatz, dass Industriefette und Futterfette jetzt nicht mehr in den selben Fabriken hergestellt werden sollen, geht IMHO fehl. Die Verantwortung ist nicht bei den Fettherstellern zu suchen, sondern bei den Futtermittelherstellern, die aufgrund Preisdrucks billigend in Kauf nehmen, Gift in die Nahrungskette einzuschleusen.
Der Name der Futterpanscher ist bekannt, nur hilft das dem Verbraucher nicht, das ist zu weit von ihm weg.
Nicht mal die Nennung der Höfe würde helfen – selbst wenn jetzt sensibilisierte Verbraucher im Supermarkt ihrer Wahl auf die Herstellungsorte ihrer Eier und Schnitzel achten, wird das wohl nicht solange anhalten, bis auch die letzten Chargen irgendwo in den Handel gelangen.
Und sollte das irgendwo anders auf der Welt sein, werden die dortigen Verbraucher wohl ihre liebe Mühe haben, die schwarzen Schafe auszusortieren – sollten sie überhaupt etwas davon gehört haben, dass Produkte aus Deutschland evtl. belastet sind.
Nein, direkte Produktnennung und Supermärkte, die dieses Zeug im Angebot haben müssten genannt werden, nur so hat der Verbraucher eine Chance, einen Bogen um die vergifteten Lebensmittel zu machen.

Sicher, das trifft zunächst mal die Falschen, die Märkte haben ja erstmal keine direkte Schuld.
Die liegt immer noch bei dem skrupellosen Futtermittelhersteller.
Der sollte denn auch für die Verdienstausfälle der Landwirte, die ja die massenhafte Tötung ihrer verseuchten Tiere zu verschmerzen haben, als auch für die Einkommenseinbussen der Händler aufkommen.
Klar, der Futtermittelhersteller ist dann pleite, Arbeitsplätze gehen verloren.
Wenn sich aber ein Management so benimmt, ist das unabwendbar.
Nebenbei sollten die Verantwortlichen der Firma Harles & Jentzsch für lange Zeit in den Knast – „Brunnenvergifter“ hätte man sie wohl früher genannt.

Der Streit nun, ob Herr McAllister Informationen an Frau Aigner nicht rechtzeitig übermittelt hat, und die Intervention von Frau Merkel zu der Forderung, ist Theaterdonner.

Was hier vonnöten ist, sind nicht Rücktritte, sondern bessere Kontrollen und mehr Transparenz, welche Produkte von wo in welchen Laden kommen.
Bei den vorigen Skandalen (zB. das unsägliche „Gammelfleisch“) war auch nicht klar, wo man jetzt seinen Döner besser nicht ist – der Preis ist zwar vielleicht ein Hinweis, aber eine Liste der mit den schlechten Lebensmitteln belieferten Läden wäre wohl deutlich zielführender gewesen.

So auch jetzt. Ich will die Information haben, wo ich nicht einkaufen sollte, ich will wissen, wer die Zwischenhändler sind, die seit Monaten bewusst oder unbewusst Dioxin im die Nahrungskette gebracht haben.

Wie sonst soll ich als Verbraucher durch mein Kaufverhalten die Stimme erheben?
Der Markt reguliert sich ja angeblich selbst – aber nur, wenn der Verbraucherauch tatsächlich in die Lage versetzt wird, sich aufgrund von Fakten und Informationen zu entscheiden.
Aber gerade mit diesen wird hinter dem Berg gehalten.
Wem nützt das?
Sicherlich nicht dem Verbraucher, dem Volk, was ja eigentlich im besten Sinne von den Volksvertretern, uhm, vertteten werden sollte.

Das ist der eigentliche Skandal, und das zeigt, wie sehr wir unabhängige Berichterstattung brauchen.

http://www.tagesschau.de/kommentar/dioxin236.html

Advertisements